Sterneichen Astrologie
Es begann mit einem Flattern im Sternenarchiv.
Emil hatte gerade dabei geholfen, die Zwillinge zu sortieren. Also nicht die Sternzeichen, sondern zwei echte, sehr widerspenstige Sternengeister, die sich ständig gegenseitig spiegelten und dabei galaktische Ordner durcheinanderbrachten. Als er endlich Ordnung in die Himmelsregister gebracht hatte, bemerkte er es: Der Eintrag für das Sternzeichen Jungfrau war leer. Einfach weg. Nicht gelöscht, nicht durchgestrichen. Nur … leer.
„Na sowas“, murmelte Emil, während sich seine Stirn in astrologische Sorgenfalten legte. „Das Universum hat keine Lücken. Außer den, die etwas bedeuten.“
Lupi kaute nachdenklich auf einem glitzernden Himbeerkern herum. „Vielleicht ist sie in Urlaub? Oder sie wollte mal sehen, wie’s ist, nicht alles perfekt zu machen. Ich würd sie verstehen.“
Noel hatte unterdessen das Archiv auf den Kopf gestellt. Wörtlich. Er war versehentlich gegen den Schwerkraftumkehrschalter gestoßen. Alle Aktenblätter tanzten nun an der Decke.
„Also ich hab ne Theorie!“, rief Noel und winkte mit einem aus der Luft gefischten Pergamentzettel. „Vielleicht hat die Jungfrau ihren Platz verlassen, weil ihr keiner je Dankeschön sagt. Immer ist sie nur die Analytische, die Kritische, die mit dem Ordnungstick. Vielleicht wollte sie einfach mal wild sein!“
Emil sah ihn nachdenklich an. „Wenn ein Sternzeichen streikt, gerät das Gleichgewicht durcheinander. Menschen vergessen ihre Termine, machen keine Backups und sagen plötzlich, was sie wirklich fühlen. Das könnte… zu Chaos führen.“
„Klingt nach einem Fest!“, rief Lupi begeistert.
Die drei machten sich auf den Weg zur Konstellationskammer, einem alten, funkelnden Raum, in dem die Sternzeichen ihren jährlichen Dienstplan erhalten. Dort fanden sie ein kleines, säuberlich geschriebenes Zettelchen auf rosa Papier:
_„Bin kurz weg. Suche nach dem Sinn zwischen Effizienz und Emotion.
Bitte keine Nachsuche starten, außer ihr bringt Tee und Verständnis mit.“
V.
„Sie hat sich selbst eine Auszeit genommen“, flüsterte Emil ehrfürchtig. „Vielleicht beginnt hier eine neue Phase im Kosmos… eine mit mehr Mitgefühl und weniger Perfektionismus.“
Sie schickten eine Thermoskanne mit Lavendeltee und ein paar liebevoll zerzauste Worte ins All. Und warteten. Auf ein Zeichen. Auf eine Rückkehr. Oder vielleicht auf ein neues Sternzeichen, das aus der Pause der Jungfrau geboren wird.
Denn im Universum bleibt nichts verschwunden, ohne einen guten Grund.
Als die drei Teddynauten zurück zur Luminara schwebten, murmelte Emil plötzlich:
„Noel … erinnerst du dich an das schwarze Loch, das wir letzte Woche entdeckt haben? Das, das sich benahm wie ein staubsaugender Chamäleon-Hut?“
Noel blieb stehen. „Du meinst das Ding, das schnarchte und eine ganze Sternenkarte eingesogen hat?“
Emil nickte ernst. „Was, wenn das Sternzeichen gar nicht selbst verschwunden ist? Was, wenn es… verschluckt wurde?“
Lupi ließ seine Teetasse fallen – in Zeitlupe, mit dramatischem Hall.
„Ein Schwarzes Loch, das Sternzeichen klaut? Das ist… das ist… DAS ist unser nächster Fall!“
